Dorothee Schmidt
Diplompsychologin · Supervisorin · Gestalttherapeutin · Traumatherapeutin
 

Mehr über Gestalttherapie

(Bitte beachten Sie, dass es sich hier nicht um eine erschöpfende Behandlung des Themas Gestalttherapie handelt!)

Wieso „Gestalt”?
Der Begriff „Gestalt” stammt aus den Anfängen der psychologischen Forschung um 1910, speziell aus dem Forschungszweig Gestaltpsychologie, und bezeichnet die Eigenschaft des Menschen, aus einzelnen Teilen ein zusammenhängendes, sinnvolles Ganzes zu machen. So wird eine nur durch Punkte angedeutete Kreislinie im Gehirn zu einem Kreis, der sich vom Hintergrund abhebt, vervollständigt und so auch wahrgenommen und erinnert - eben als „Gestalt”. Schon Säuglinge erkennen eine „Gestalt”: aus einfachen Punkt, Punkt, Komma, Strich- Zeichnungen macht ihr Gehirn ein menschliches Gesicht und sie verweilen mit ihrem Blick sehr viel länger darauf als auf Punkten und Strichen ohne „Gesichtmuster”.

Die Wurzeln
Die Gestalttherapie hat sich aus der Psychoanalyse, aus humanistischen ganzheitlichen Betrachtungen menschlicher Erfahrungen und eben der Gestaltpsychologie entwickelt.
Hier wird auch für psychische Vorgänge davon ausgegangen, dass Menschen nach „geschlossener Gestalt”, d.h. vollständigen Prozessen streben (die dann symbolisch gewissermassen eine Gestalt, einen Kreis bilden). Im Folgenden wird dargestellt, was unter einer „geschlossener Gestalt” zu verstehen ist.
Eine „geschlossene Gestalt ” kann ein erfülltes Bedürfnis sein. Die Gestalttherapie geht davon aus, dass ein Mensch, dessen Bedürfnisse erfüllt sind, ein zufriedener Mensch ist, der sich optimal mit seiner sozialen Umwelt in Kontakt befindet.

Die „geschlossene Gestalt”
Ein Bedürfnis muß zunächst als solches wahrgenommen werden, sei es das Hungergefühl oder das Bedürfnis nach menschlicher Nähe. Am Beispiel des Hungers sei hier ein Ablauf geschildert: Ich nehme meinen Hunger wahr; entscheide mich, darauf zu reagieren; überlege mir, was ich essen möchte; überlege, wie ich (zum Beispiel) an den Apfel komme; setze das in die Tat um; ich beisse in den Apfel, kaue, schlucke und wiederhole alles mehrmals; mein Magen meldet Sättigungsgefühl; ich spüre das; es tritt eine Befriedigung und Entspannung ein; ich kann mich um anderes kümmern.
An jeder Stelle dieses Kreises können Störungen entstehen und dazu führen, dass nie die beschriebene „Sättigung” und Entspannung eintritt.

Menschenbild der Gestalttherapie
Gestalttherapie hilft dabei, die Bedürfnisse des Einzelnen wahrnehmbar und erkennbar herauszuarbeiten und Unterstützung bei der Erreichung oder Erfüllung zu geben. Es werden dabei keine Wertungen über die jeweiligen Bedürfnisse abgegeben. Jeder Mensch wird in seinem Sein gewürdigt und nicht zu etwas „gebracht”, was er oder sie nicht möchte. Daher hat die Gestalttherapie auch keine eigenen „Störungskonzepte” entwickelt und tut sich schwer mit Krankheitsbegriffen im psychischen Bereich. Man geht davon aus, dass das, was wir gemeinhin „Störung” nennen, ebenfalls eine Anpassungsleistung ist und daher nur dann behandlungswürdig ist, wenn die Klientin oder ihre Umwelt massiv darunter leiden. Die Gestalttherapie geht davon aus, dass zu den Grundbedürfnissen des Menschen sowohl ich-bezogene als auch soziale Bedürfnisse zählen.

Im Hier und Jetzt
Bestimmte Probleme mögen in der Kindheit (zum Beispiel mit dem Vater) entstanden sein, sie zeigen sich aber jetzt (zum Beispiel in der Konfrontation mit einem Vorgesetzten). Die Gestalttherapie geht davon aus, dass an dem heutigen Konflikt genauso gut und erfolgreich gearbeitet werden kann, wie an dem lange zurückliegenden.

Ziele und „Werkzeuge”
Ziel der Gestalttherapie ist, dem Menschen eine möglichst breite Palette an inneren Möglichkeiten für Erfüllung zu erschliessen. Das bedeutet auch, zu erlernen, möglichst oft möglichst gut mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen in Kontakt zu sein. Es bedeutet außerdem, die eigenen Bedürfnisse von übernommenen oder vorgeschriebenen zu unterscheiden. Als „Werkzeug” in der Therapie kommt fast alles in Betracht: Gespräch, Konfrontation, darstellendes Spiel, Malen, Vorstellen (Imaginieren), Schreiben. Entscheidend für das Gelingen sind jedoch die Fähigkeit der Therapeutin, ihre Klientin möglichst umfassend zu verstehen, ihr mit Wohlwollen zu begegnen sowie der Wille der Klientin, in sich hineinzuschauen, etwas zu wagen. Diese Abenteuerreise kann nur bei grundsätzlicher gegenseitiger Sympathie angetreten werden. Daher gibt es in der Regel ein kostenloses, unverbindliches Vorgespräch das dazu dient, sich einen ersten persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Die Entstehung
Die Gestalttherapie ist von einer Gruppe Psychoanalytiker, Psychologen und Sozialwissenschaftlern geschaffen worden: Lore und Fritz Perls legten gemeinsam mit Paul Goodman, Ralph Hefferline u.a. die Grundlagen. Ihre Schüler – Isadore From, Erving und Miriam Polster, Daniel Rosenblatt, James Simkin, Paul Weisz u.a. – entwickelten sie weiter. Wegbereiter der Gestalttherapie waren Literaten, Politiker, Philosophen und Psychoanalytiker, die sich mit dem Verhältnis zwischen dem Individuum und der es umgebenden Gesellschaft beschäftigten.

Mehr Information:
http://www.dvg-gestalt.de
http://www.igw-gestalttherapie.de

Buchempfehlung: Claudio Naranjo, Gestalt. Präsenz, Gewahrsein, Verantwortung, Arbor Verlag, 1996.

 
 

 
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